Die märkischen Dialekte |
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Allgemeines | |
| Sprachgrenzen | ||
| Nordmärkisch | ||
| Mittelmärkisch | ||
| Südmärkisch | ||
| Berlinisch | ||
| Quelle: Wiese 1957, Seite 235 | ||
Trotz einiger typischer Merkmale ist das "märkische Platt" kein einheitlicher Dialekt. Innerhalb des Landes lassen sich Gebiete unterscheiden, die sich wiederum durch eigene Merkmale auszeichnen. Bei der Beschreibung des Märkischen können verschiedene Arten von Dialektmerkmalen unterschieden werden:
1. Merkmale, die sich generell in allen niederdeutschen Dialekten finden lassen. (siehe Tabelle 'Hochdeutsch/Niederdeutsch')
2. Merkmale, die nur noch typisch für Teile des Brandenburgischen sind. Die Form det/dät für das hochdeutsche das wird als märkische Leitform angesehen. Ebenfalls charakteristisch ist, dass j für g verwendet wird, als jrüen für grün, juet für gut.Quelle: Schildt/Schmidt "Berlinisch" 1992, Seite 240
| Hochdeutsch | Niederdeutsch | |
| Pfund | Pund | |
| Zeit | Tied | |
| Pfanne | Panne | |
| Dorf | Dörp | |
| essen | äetn | |
| Pfeife | Piepe | |
| auf | up/op | |
| das | det/dät/dat | |
| ich | ik | |
| Vater | Vadder | |
| zu | to | |
| zwei | twee |
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Dialektlandschaften werden in den seltensten Fällen durch exakte geografische Grenzlinien voneinander getrennt. Es ist daher angemessener, von Grenzbildung oder Grenzbündeln zu sprechen, denn oft existieren mehrere und nicht immer gleichlaufende Merkmalsgrenzen nebeneinander.
Gründe für das Zustandekommen solch unscharfer Sprachgrenzen sind z.B.:
- sprachliche Ausgleichsprozesse zwischen benachbarten Dialektlandschaften,
- Ausstrahlungen von historisch wichtigen Gebieten oder Städten in das Umland,
- Besiedlung durch größere Gruppen fremdsprachiger Siedler,
- Vermischung infolge von Eheschließungen,
- Ausbreitung von Sprachwandlungen entlang der Verkehrswege u.v.a.m.
Zwei solcher Grenzzonen liegen in der Mark Brandenburg.
- Die eine verläuft in etwa von Finsterwalde über Luckau, Jüterbog, Lukkenwalde, Zossen, Königs Wusterhausen, Berlin, Fürstenwalde, Beeskow, und Fürstenberg nach Frankfurt/Oder. Auffällig ist, dass alle Lautgrenzen in diesem Gebiet einen Vorbruch in Richtung Berlin aufweisen. Berlin ist durch einen Trichter in das südliche Gebiet einbezogen bzw. ist als hochdeutsche Insel den mitteldeutsch-niederdeutschen Lautlinien vorgelagert. Es scheint, als ob Berlin sprachliche Besonderheiten aus dem Obersächsischen geradezu "anzieht". Die Ursachen liegen vor allem in der historischen Entwicklung: Seit 1539 (Einführung der Reformation in Brandenburg durch Kurfürst Joachim II.) nahmen vermehrt Obersachsen führende Positionen in der Regierung und Verwaltung der Mark Brandenburg ein. Sie brachten ihre Sprache nach Berlin und verschafften ihr in der kurfürstlichen Kanzlei Geltung. Nachdem zunächst die sozial höhergestellte Bevölkerung Berlins, dann auch untere Bevölkerungsschichten die sächsisch geprägte Umgangssprache übernommen hatten, gelangte sie im 18. Jahrhunderts in die Umgebung Berlins. Auch im geistig-kulturellen Bereich orientierte sich die märkische Oberschicht nach Süden. Es waren vor allem die Universitäten Leipzig und Wittenberg, an denen ihre Kinder studierten. Daran konnte auch die Gründung der Landesuniversität Viadrina 1506 in Frankfurt/Oder nichts Wesentliches ändern.
- Das zweite Grenzgebiet durchzieht in westöstlicher Richtung den nördlichen Teil des Brandenburgischen von Havelberg über Kyritz, Neuruppin, Oranienburg, Gransee und Templin nach Angermünde.
Quelle: Schildt/Schmidt "Berlinisch" 1992, Seite 242
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| Nordmärkisch | Hörprobe |
geografische Lage
im Raum Prignitz, Uckermark, Ruppiner Land, Nord- und Westrand des Havellandes. Die Nordgrenze fällt mit der mecklenburgischen Landesgrenze zusammen. Der Westen wird durch Elbe und Havel begrenz, die südliche Linie verläuft entlang der Städte Rathenow, Friesack, Oranienburg, Angermünde. Im Osten geht das Gebiet zwischen Templin und Angermünde ins Mittelmärkische über.
Merkmale
Neben den typisch niederdeutschen Merkmalen sind für das Nordmärkische folgende Besonderheiten charakteristisch:
| lange Vokale | /o:/
(hochdeutsch u:) /e:/ (hochdeutsch ie) /a:/ ropen/gerufen; Ko:ken/Kuchen; le:f/lieb; sö:te/süß; enmoal, groad, Stroat |
| Konsonanten | Übergang
von nd zu nn (tritt auch im Mittelmärkischen auf) Kinner/Kinder |
| Fehlen des e am Wortende | Hus, Stroat, Bang, Sprok |
| Wörter, die sich nur hier finden | Adebar/Knäpperer/Heinotter
für Storch Pieresel/Piermade für Regenwurm Töffeln/Tuffeln/Nudeln für Kartoffeln |
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| Mittelmärkisch | Hörprobe |
geografische Lage
im Raum östliches Havelland, mit Berlin, (Ober-)Barnim, die historischen Landschaften Lebus, Teltow, Beeskow-Storkow
Merkmale
- Im Unterschied zu den nordmärkischen Langvokalen findet man hier häufig diphthongierte Formen, bei denen der erste Bestandteil lang und betont ist: z.B. Di-enst, li-ef, schi-eten, fli-eten, Bri-ef.
- Im Süden des Mittelmärkischen verläuft noch eine weitere markante Linie, die ein nordwestliches Gebiet mit Schnee von einem südöstlichen Gebiet mit Schnai trennt. Das Gebiet mit Schnai reicht bis in das Südmärkische hinein. Es erstreckt sich etwa zwischen Beelitz im Westen bis Potsdam im Osten. Ähnlich ist die Linie Stroh/Strau gelagert.
- In Abgrenzung zum Nordmärkischen ist das e am Wortende erhalten und geht sogar z.T. über die Formen der Standardsprache hinaus (Jerichte, Büere, Döäre, hingene).
- In der Lexik des Mittelmärkischen finden sich zahlreiche Wörter, die mit niederländischen Siedlern in dieses Gebiet kamen und im Alltagswortschatz sowie als Flur- und Straßennamen auftreten. Slawischer Herkunft ist - neben zahlreichen Ortsnamen - z.B. Lietz (Blesshuhn) und Hupatz (Wiedehopf). In den Landschaften Beeskow-Storkow und Teltow ist der Anteil slawischer Sprachspuren am deutlichsten. Hier finden sich Kunschen (grünes Kiefernreisig), Maline (Himbeere), Moch (Moos) oder auch parig (kotig). Im Mittelmärkischen wird für Mädchen Mäeken verwendet, im Nordmärkischen dagegen Diern.
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| Südmärkisch | Hörprobe |
geografische Lage
der sogenannte Berliner Trichter, z.T. im Fläming, Elbe-Elster-Raum zwischen der maken/machen-Linie im Norden und der ik/ich-Linie im Süden auf der Strecke Coswig bis Märkisch-Buchholz)
Merkmale
- Deutlicher noch als das übrige Brandenburger Land, das insgesamt zahlreiche Einflüsse des Mitteldeutschen aufweist, trägt das Südmärkische Kennzeichen einer sprachlichen Übergangslandschaft zum Mitteldeutschen, in das es fast ohne scharfe Grenzen übergeht.
- Hier finden sich anstelle der mittelmärkischen Langdiphthonge üe, ie und ue oft die mitteldeutschen Monophthonge u:, i:, ü: (Kuchen, lieb/lip, süß).
- Allerdings heißt es hier - wie im übrigend Niederdeutschen - auch noch oft mi:n nü:es Hu:s, wogegen im Hochdeutschen mein neues Haus verwendet wird. Das bedeutet, dass sich die aus dem Hochdeutschen kommende Diphthongierung hier (noch) nicht durchgesetzt hat. Auf den Übergangscharakter weist zudem die Tatsache hin, dass es von Wort zu Wort grosse Unterschiede gibt.
- Mit den angrenzen Mundarten gemeinsam hat das Südmärkische z.B. auch die Gutturalisierung von nd>ng (hinger/hinter) und das Präfix des Partizip Präteritum auf je (jemacht).
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Das Berlinische besitzt innerhalb der märkischen Sprachlandschaft eine Sonderstellung. Bis in das 15./16. Jahrhundert war das Niederdeutsche auch in Berlin - damals eine kleine, unbedeutende Siedlung - wie im märkischen Umland die gesprochene Sprache. Es finden sich Texte aus dem 14. und 15. Jahrhundert in reinem Niederdeutsch. Zugleich beginnt die Überschichtung des Niederdeutschen durch die ostmitteldeutsche Schriftsprache (geschrieben) und das Obersächsische (gesprochen), die ein höheres Prestige als die niederdeutschen Dialekte besaßen.
Zunehmend bildete sich innerhalb (der Stadtsprache) des Berlinischen eine deutlische Differenzierung in der funktionalen und sozialen Verwendung heraus. Witz und Humor, Schlagfertigkeit und selbstbehauptete Großschnäuzigkeit gelten als auffallende berlinische Merkmale.
Doch nicht nur in die Schrift- und Umgangssprache des alten Berlin drang das Hochdeutsche ein, sondern auch in die der umliegenden märkischen Landschaften, wenn auch zeitlich verzögert. Die Städte der östlichen Mittelmark machten den Anfang: In Frankfurt/Oder, Fürstenwald, Müncheberg, Beeskow und Storkow wurde schon im 16. Jahrhundert das Hochdeutsche als Schriftsprache verwendet. Seit dem 18. Jahrhundert strahlte das Berlinische massiv in das Umland hinein. Besonders seit dem 19. Jahrhundert breitete sich das Berlinische weit über die Stadtgrenzen aus und verdrängte und veränderte hier nachhaltig die märkische Sprachlandschaft. Sprachliche Zeugnisse aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts belegen, dass das Berlinische zuerst in den Städten der Mark Brandenburg Fuß fasste, bevor es allmählich in die dörflichen Gegenden eindrang.
Forschungsprojekt "Untersuchung zur Umgangssprache in Brandenburg"
Prof. Dr. Joachim Gessinger, Universität Potsdam
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